strawinsky:recorded

Die Musiker stimmen noch einmal ihre Instrumente nach, Schauspieler Uwe macht vor der Leinwand Lockerungsübungen. Ein bisschen Yoga, Hula Hoop und kräftig die Wangen schütteln. Dann wird es still.

„Ton ab?“ – „Ton läuft.“ – „Kamera ab?“ – „Kamera läuft.“ – „Roll 029, Scene 720, Take 1.“

„Und bitte!“

Nach der erfolgreichen Premiere und Zweitvorstellung von strawinsky:animated ist am Donnerstag für alle Beteiligten noch einmal Nervenkitzel angesagt. „Dreh- und Tonaufnahmen. Bitte absolute Ruhe!!!“ steht in großen Buchstaben an den Wänden. Szene für Szene wird die „Geschichte vom Soldaten“ gespielt und aufgezeichnet.

„Und danke. Nochmal die gleiche Szene. Der Dolly hat einen Schatten auf Uwe geworfen.“

Der Dolly ist nicht etwa das Setschaf, sondern die große Kamera, die auf Schienen vor der Bühne hin- und hergeschoben wird. Zwei weitere riesige Kameras stehen links und rechts. Schon am Vortag wurden meterweise Kabel verlegt, geklebt, Einstellungen geprobt.

„Wir werden das Ganze noch einmal machen müssen.“

Die Schauspieler seufzen,  wie alle sind sie schon seit Stunden auf den Beinen und inzwischen ziemlich erschöpft. Dann klappt die Szene aber zum Glück. Regisseur Daniel hält kurz über Funk Rücksprache mit der Bildregie und gibt das Okay.

„Gut, super, das haben wir im Kasten.“

Draußen wartet schon das Testpublikum. Die Prinzessin soll ja nicht zwischen leeren Stühlen die Schlosstreppe herabsteigen. Die Zuschauer bestaunen das beeindruckende Equipment, aber dann Ruhe bitte, die Zeit ist knapp.

„Ton an.“ „Ton ab meinst du.“

Die Konzentration lässt langsam nach, trotzdem geben sich alle die größte Mühe. Das Licht muss neu eingestellt werden, die Bildregie gibt letzte Anweisungen. Die Violinistin hat sich auf der Bühne ausgestreckt, die Musiker scherzen miteinander. Weiter geht‘s, in einer Stunde muss der Dreh fertig sein.

„Noch ganz kurz an die Kameraleute: Ihr fangt jetzt an zu quietschen und man hört eure Schritte. Also passt ein bisschen auf.“

Die Anspannung steigt, der Zeitplan ist lange überschritten und es fehlen noch Szenen. Es ist 22 Minuten vor 6, die Musiker improvisieren „Guten Abend, Gute Nacht“.  Endlich nähert sich der Dreh dem Ende. Nur noch die Applausszene.

„Jetzt kommt der schwierigste Teil: so zu tun, als hätte man eine wahnsinnig tolle Aufführung hinter sich.“

Das Testpublikum jubelt und klatscht, die Mitwirkenden strahlen. „Man kann nicht alles haben. Was war, kehrt nicht zurück“, sagt die Prinzessin am Ende der Geschichte. Doch die großartige strawinsky:animated  Produktion wird durch diesen Tag noch lange in Erinnerung bleiben.

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Text von Katharina Merz und Ricarda Schlenk

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