Prisma:Musik

Am Tag der Premiere habe ich mit Miguel Pérez Iñesta, dem Dirigenten, gesprochen.

 

Wie bist du zum Projekt Strawinsky:animated gekommen?

Ich habe Steven letztes Jahr beim PODIUM Festival in Haugesund, Norwegen kennen gelernt, wo ich eigentlich als Klarinettist unterwegs war. Steven hat mir dort schon vom Projekt erzählt und mich gefragt, ob ich Ende April 2013 nach Esslingen kommen möchte. Ich habe gleich zugesagt und gefragt, wer dirigieren wird. Einfach aus Interesse. Denn eigentlich kann man das Stück auch wunderbar ohne Dirigent machen. Als ich gesehen habe, dass es nur wenige Proben gibt und die Animation dazu entwickelt wird, habe ich angeboten, dass ich das Dirigieren übernehmen kann.

 

Gab es irgendwelche Hindernisse im Laufe der Produktion?

Am Anfang war gedacht, dass ich während dem Dirigieren die Animation mitverfolge und mich mit den Musikern nach ihr richte. Wir haben aber festgestellt, dass das nicht geht, und haben mit motionfruit ausgemacht, dass sie diese „cue points“ einbauen, so dass die Animation flexibel auf uns Musiker reagieren kann.

 

Du hast Strawinskys „Die Geschichte vom Soldaten“ ja schon vorher gespielt und dirigiert. Interpretierst du das Stück durch Daniels Inszenierung anders als zuvor?

Nein, da hat sich nichts verändert. Ich bin auch auf der gleichen Linie wie Daniel und verstehe ihn total. Bei der Interpretation ist alles gut, da Daniel auch eine kluge Art hat, das, was ihm wichtig ist, zu vermitteln und tolle Ideen hat. Vor allem die Psychologie, die er aus dem Stück heraus und in den Vordergrund gestellt hat, finde ich sehr interessant.

Es gibt eher andere Schwierigkeiten im Stück. Darauf haben wir uns konzentriert.

 

Welche Schwierigkeiten gibt es dann?

Eine Schwierigkeit war, dass die Musiker auf Daniels Wunsch weit auseinander stehen. Aber darauf mussten wir uns nur einstellen. Schwieriger ist die Musik an sich. Sie ist wie ein Uhrwerk. Die Sachen müssen ganz genau aufeinander sein, weil diese Musik von der Genauigkeit lebt. Es gibt sehr wenig Zeit, wenig Raum für die Musiker, etwas anders zu machen oder Klänge zu gestalten. Es ist wie eine präzise Maschinerie. Wenn es klappt und alles so prägnant gespielt wird, wie es geschrieben ist, dann leuchtet das Stück.

 

Würdest du sagen, dass das typisch für Strawinskys Musik ist?

Ja, das kann man sagen. Es ist totale Präzision. Man muss alles geben und durch dieses Prisma der Präzision schicken. Wenn man es schafft, dann eröffnet sich eine komplett andere klangliche Welt.

 

Aber ihr wollt das schaffen?

Oh, wir haben das heute schon in der Generalprobe geschafft. Wir schaffen das.

 

Ist es denn besonders mit den Musikern vom PODIUM Festival zu spielen?

Ja, das ist besonders. Obwohl ich nur ein paar Jahre älter bin als die Musiker, sehe ich, wie unglaublich professionell sie sind. Sie sind mental erwachsen und haben einen unglaublichen Mut und unfassbare Energie. Sie trauen sich einfach Sachen zu machen und auszuprobieren. Das habe ich zu meinen Studienzeiten bei Kommilitonen nicht so oft gesehen. Und nicht nur die Musiker, sondern auch das Organisationsteam, Steven und Minh, … einfach alle hier. Das macht unglaublich Spaß. Man kann nur das Beste erwarten.

 

Ihr Musiker müsst ja nun selbst auch schauspielern. Wie ist das für euch?

Für manche Musiker ist es das erste Mal. Aber alle finden es wunderbar, dass sie – außer z.B. Geige zu spielen – auch mitmachen und mit auf der Bühne agieren. Ich persönlich habe schon oft geschauspielert und war schon als Tänzer auf der Bühne, noch bevor ich mit der Musik aufgetreten bin.

Man muss sich darauf einstellen, dass man als Musiker im Neuen Musiktheater immer mehr als nur Musik macht.

 

Hast du denn eine Lieblingsstelle im Stück?

Man kann es nicht Lieblingsstelle nennen, aber die Stelle, die mich am meisten berührt ist die, an der man merkt, dass die Geschichte keine normale Geschichte ist. Das ist die Stelle nach der Pastorale, an der sich der Schauspieler immer wieder schnell aufeinander in Teufel und Soldaten verwandelt. Wenn man merkt, dass das die Welt im Kopf des Mannes ist. Die Verwandlungen überschlagen sich bis der Schauspieler als Soldat agiert, aber mit der Stimme des Teufels spricht.

 

Was möchtest du noch zu den Aufführungen heute und morgen sagen?

Wir haben heute Premiere und morgen Dernière. Das Stück besitzt sehr viel Potential. Wir hoffen, dass alles gut klappt und wir es weiter außerhalb des Festivals aufführen können.

 

 

 

Mehr zu Miguel Pérez Iñesta unter www.miguelperezinesta.com

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