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Maßgeblich beteiligt am Projekt Strawinsky:animated – Die Geschichte vom Soldaten ist auch Joscha. Er sitzt hinter den Zuschauern am Technikpult und ist quasi der VJ (Visual Jockey) der Produktion. D.h. er koordiniert die Animation während der Vorstellung und stimmt diese auf Musik und Schauspiel ab.

Joscha kam vor 10 Tagen zum Projekt dazu. Zur Vorbereitung präparierte er sich erst mal eine eigene Partitur von Strawinskys „Geschichte vom Soldaten“ und traf sich mit unserem Regisseur Daniel, der ihn in das Stück und die Technik einwies. Zur Steuerung verwendet Joscha nun ein spezielles Computerprogramm, das nach seiner Aussage komplex, aber nicht soo schwer zu bedienen ist.

Während den ersten Proben erarbeitete er zusammen mit Daniel die sogenannten „cue points“. Das sind Schlagwörter, Textpassagen, Musikstellen oder Bilder der Animation, die ihm anzeigen, wann er das nächste Bild der Szene anwählen muss. Die Animation besteht nämlich aus ca. 130 einzelnen Clips, die zu bestimmten Zeitpunkten abgespielt werden müssen.

Joscha richtet sich zeitweise nach dem Schlag des Dirigenten, Musikphrasen oder gar dem Einsatz eines einzelnen Instruments. Dazu verfolgt er sowohl die Partitur als auch die Bewegungen der Musiker auf der Bühne.

Auch auf Uwe und Isa, die Schauspieler, muss er achten. Diese liefern ihm Schlüsselworte, Gesten und Bewegungen. Zum Teil reagieren auch Animation und Schauspiel aufeinander. Da müssen beim Schlagabtausch die Übergänge nahtlos klappen.

Einige cue points der Musik sind schon im Voraus vom Animationsteam festgelegt worden. Die Musiker müssen sich deswegen auch nach festgelegten Tempi richten. Sonst passt das alles nicht mehr. Trotzdem gibt es aber künstlerische Freiheiten, in denen die Musik variiert. Wenn zum Beispiel ein Auftakt verzögert wird. Deswegen muss Joscha immer gut aufpassen. An anderen Stellen der Animation sind Puffer eingebaut und Joscha hat die Möglichkeit flexibel auf das Geschehen auf der Bühne zu reagieren. Das alles gilt es sich zu merken und zu beachten.

Insgesamt ist das perfekte VJ-ing also eine Sache des Gefühls, des Überblicks, der Sachkenntnis und einer kontinuierlichen Aufmerksamkeit. Körperlich ist es wenig anstrengend. „Ich drück da ja nur nen kleinen Knopf“, sagt Joscha.

Von wegen „nur“.

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