Damals&heute:erzählt

Der russische Autor Alexander Afanassjew schrieb im 19. Jahrhundert das Märchen Der fahnenflüchtige Soldat und der Teufel, Strawinsky und Ramuz übernahmen den Märchenstoff einige Jahrzehnte später in der Geschichte vom Soldaten und beim PODIUM-Festival 2013 wird Strawinsky:animated – Die Geschichte vom Soldaten uraufgeführt. Die mediale Umsetzung entwickelt sich stetig weiter, vom Text über das Musiktheater bis hin zum interaktiven Animationsfilm, doch die Inhalte überdauern und können epochenübergreifend wiederverwertet werden. Strawinsky und Ramuz aktualisierten den bildhaften und poetischen Stoff der russischen Märchen und versuchten, eine im europäischen Kulturraum allgemeinverständliche Geschichte zu schaffen. Die russische Revolution, der Erste Weltkrieg und die damit verbundene kulturelle Stagnation stellten die Grundlage für die wiederaufgegriffene Geschichte über den unglücklichen Soldaten dar. Aber was fasziniert den Leser und Zuschauer immer wieder an der Geschichte des Deserteurs, der sich nach einem glücklichen Leben, nach Liebe und nach Reichtum sehnt?

Heute, zu Zeiten von Finanzkrisen und dem Infragestellen kapitalistischer Systeme scheint das Thema erneut hoch aktuell. Der Soldat verfängt sich in der industriellen Maschinerie, verliert sich in einem unersättlichen Kreislauf der Kapitalanhäufung um am Ende doch festzustellen, dass er sich immer weiter vom Glücklichsein entfernt. „Diese menschliche Note war es […]“ (Strawinsky, Igor 1958: Mein Leben. München: List, S. 67), die auch schon Ramuz und Strawinsky reizte und die DAMALS und HEUTE immer wieder neu inszeniert werden kann.

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