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Nach der Hauptprobe am Samstag, den 27.4., in der zum ersten Mal ein Gesamtdurchlauf gewagt wurde, habe ich mit Viktor vom Animations-Künstlerkollektiv motionfruit  gesprochen und ihn zur Arbeit an der Animation von Strawinsky:animated – Die Geschichte vom Soldaten befragt.

 

Wie lange habt ihr an der Animation gearbeitet?

Startschuss war im November 2012 und arbeiten werden wir bis Dienstag, dem Tag der Premiere. Es fehlen noch zwei Szenen in der Animation und es müssen noch zwei bis drei Sachen optimiert werden… also insgesamt waren das so sieben Monate.

 

Puh, das klingt nach viel Arbeit.

Ja, am liebsten hätten wir alles schon fertig. Aber Animation ist einfach so, dass man nahezu nie bei 100% ist, weil man immer noch etwas besser machen kann. Und irgendwann muss man dann einfach einen Schlussstrich ziehen. Aber das sind jetzt nur noch zwei, drei technische Details, die wir verbessern wollen. Das wird wahrscheinlich keinem auffallen, aber es sind Sachen, die man (als Animationskünstler) spürt, wenn man das jetzt so sieht…

 

Mir ist aufgefallen, dass es verschiedene Bilderstile in der Animation gibt. Was hat es damit auf sich?

Diese Vielfalt der Formen ist auf jeden Fall gewollt. In Absprache mit Daniel, dem Regisseur, haben wir besonders auf eine abstrakte Ebene, die wir schon entwickelt hatten, aufgebaut. Die Grundformen sind ja das rote Dreieck, das grüne Viereck und der blaue Kreis. Darauf baut sich alles auf und wird in späteren Szenen durchkonjugiert.

In einigen Szenen haben wir Charakteranimationen. Z.B. in der Szene am Bachufer, wenn das Viereck rumhüpft, sich interessiert über die Geige beugt und mit Uwe, dem Schauspieler kommuniziert. Danach verschwimmt alles mehr und mehr und wird eher zu einem inneren Bild des Soldaten. Und schließlich wird die Bildsprache an einem bestimmten Punkt gebrochen, zerfließt und bekommt eigentlich einen ganz anderen Aggregatzustand.

Die Animation besitzt eben unterschiedliche Charaktere. Mal passt sie zur Musik, ist quasi das Bild zur Musik – z.B. beim „Teufelstanz“ und „Königsmarsch“–, mal ist sie eine Charakteranimation und ein andermal einfach nur Hintergrundbild.

 

Was war denn die größte Herausforderung bei Strawinsky:animated – Die Geschichte vom Soldaten für euch als Animationsteam?

Ich glaub, die größte Herausforderung für uns war, dass der Text des Stückes sehr schnell dazu verleitet, den Inhalt im Bild zu doppeln. So dass die Sprache, die gesprochen wird, dann auch auf der Leinwand gezeigt wird. Und genau das galt es zu verhindern. Das war für uns am Anfang sehr schwer, weil wir keine Theaterregisseure sind. Deswegen war es so wichtig, dass Daniel dann dazu kam. Er kann das nämlich und hat das dann gebrochen. Jetzt ist es so, dass Bild und Sprache manchmal miteinander laufen und dann wieder gegeneinander, und trotzdem ist es eins. Das hat er sehr schön inszeniert.

 

Und mit der Musik?

Die haben wir uns ein paar Mal angehört und mit Input von Daniel viel ausprobiert.  Dann muss man schauen: „was passiert da bei mir beim Hören?“, „was ist das für ein Gefühl?“… insgesamt ist das so ein Herantasten. Es sind Vorstellungen da und dann muss das Bild für Bild aufgebaut werden. Vom Groben ins Kleine, bis dann der Filmschnitt kam…

 

Die Animation wird ja direkt durch einen VJ während des Stückes gesteuert. Wie läuft das genau?

Da mussten wir Passagen, also Loops, einbauen, so dass er die Zeit hat bestimmte Wörter abzuwarten und mit dem richtigen Timing die nächste Sequenz abzudrücken. Ich war total erstaunt, dass das so gut funktioniert hat. Denn das sind 130 Clips von verschiedensten Längen… das ist voll krass. Der Josha ist selbst Musiker und liest auch die Partitur mit, und kann somit auch mit der Musik weiterschalten. Wir haben quasi so viele Schnittstellen und Ausweichmöglichkeiten eingebaut, so dass er immer die Möglichkeit hat, on time zu sein. Und das war schon ein ziemlicher Gewaltakt, alle Möglichkeiten durchzudenken.

 

Wow, scheint ja ziemlich viel Vorarbeit gewesen zu sein?

Ja, wir haben das gestern mal überlegt… wir haben erst ungefähr Mitte Februar begonnen, effektiv zu arbeiten. Das heißt, alles davor war nur Konzeption. Skype-Termine einmal die Woche, zweimal die Woche ein Treffen mit allen Teammitgliedern, um Konzepte zu entwickeln, Bilder entwickeln, Briefings und Rücksprache halten. Und im Februar haben wir dann richtig angefangen, Hand anzulegen. Wobei wir die Konzeption der letzten Bilder auch erst vor ca. fünf Wochen richtig abgeschlossen haben. Das war auch eine Herausforderung für uns.

 

Wie habt ihr denn den Überblick behalten?

Wir haben in der Vorbereitung einen genauen Plan geschrieben, wie lange wir für welche Szene ungefähr brauchen, und natürlich ein Storyboard.

 

Wie viele Leute ward ihr, die daran gearbeitet haben?

Aus dem motionfruit-Team waren wir fünf Leute, die hauptsächlich damit beschäftigt waren, und dann hatten wir uns noch zwei Helfer, die uns bei kleineren Dingen unter die Arme gegriffen haben.

 

Und dein Fazit?

Ich war von Anfang an auf die Arbeit mit den Theaterleuten gespannt. Und es war super spannend. Daniel war offen für alle Vorschläge und „Schandtaten“; es hat voll Spaß gemacht, mit ihm die Szenen zu entwickeln, sich auszutauschen. Ich glaube, da denken wir als Filmemacher nicht so frei wie er.  Er meinte z.B. „weniger ist mehr“, wollte lieber abstrakte Bilder als zu volle. Das war für uns erst mal ungewohnt, weil wir doch oftmals daran arbeiten, aufwändige volle Bilder zu gestalten. Aber bei der Vermessungsprobe wurde dann klar, dass die abstrakten Formen auch gut ankommen. Ich finde auch schön, dass unterschiedliche Synergien zwischen den Kunstformen geschaffen wurden. Dass es trotzdem Schauspiel als reines Schauspiel ist, dann manchmal gemeinsam mit der Animation agiert, oder eben nur die Leinwand im Fokus steht, nur die Musik, oder eben in anderen Paarungen. Und dass es halt auch funktioniert!

 

Letzte Frage: Was ist deine Lieblingsszene?

Das ist schwer zu sagen. Ich finde die Klammer „Bachszene“ und „Maschinenwelt“ wirklich gelungen. Außerdem ist die Szene der Pastorale toll, wenn dann dieser Bruch der Ebenen passiert.

Bilder zur Animation

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